Woran glaubst Du?

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    • Woran glaubst Du?

      Woran Glaubst du? 21
      1.  
        An eine der Weltreligionen (1) 5%
      2.  
        An Gott (5) 24%
      3.  
        An mehrere Götter (0) 0%
      4.  
        An den Teufel (0) 0%
      5.  
        An Wunder (2) 10%
      6.  
        An ein Leben nach dem Tod (4) 19%
      7.  
        An Himmel und Hölle (2) 10%
      8.  
        An eine unsterbliche Seele (3) 14%
      9.  
        An Reinkarnation (1) 5%
      10.  
        An Karma (4) 19%
      11.  
        An einen Sinn im Leben (4) 19%
      12.  
        An Astrologie/Esoterik (1) 5%
      13.  
        An das Gute (3) 14%
      14.  
        An den freien Willen (6) 29%
      15.  
        An die Naturwissenschaft (9) 43%
      16.  
        An Geld (2) 10%
      17.  
        An die Logik (7) 33%
      18.  
        An den Determinismus (3) 14%
      19.  
        An Nichts (6) 29%
      Wir hatten ja schon einige Threads zu diesem Thema, aber da diese schon recht alt sind und sich seither bei einigen etwas verändert hat, beziehungsweise neue Leute dazugekommen sind, möchte ich dieses Thema einfach mal wieder aufgreifen.

      Also ganz konkret: Woran glaubt Ihr?

      Ich werfe mal einige Fragen in den Raum, die ihr als Anhaltspunkte zum Nachdenken nehmen könnt, die ihr aber natürlich nicht wie eine Liste abarbeiten müsst:

      Gibt es gewisse Grundsätze im Leben, an die ihr glaubt und auf die ihr vertraut?
      Wie sicher seid ihr euch mit eurem Wissen und was davon ist vielleicht nur Glauben?
      Seid ihr in einer eher religiösen Familie aufgewachsen und vielleicht noch Anhänger einer der Weltreligionen?
      Habt ihr spirituelle oder religöse Erfahrungen gemacht?
      Handelt ihr nach eurem Glauben?
      Wie steht ihr zu den großen Religionen allgemein?
      Glaubt ihr an ein Leben nach dem Tod?
      Was ist für euch der Unterschied zwischen Glauben und Religion?
      Wenn ihr nicht an eine der Weltreligionen glaubt, gibt es dennoch etwas, an das ihr glaubt?
      Meint ihr, eine Welt ohne Religion oder Glauben wäre besser?


      Ich selbst werde später meine Ansichten dazu in einem eigenen Post schreiben.

      Und ganz wichtig: Dies ist in vielerlei Hinsicht ein sehr persönliches und sensibles Thema, deswegen soll hier in der Diskussion auch niemand wegen seines Glaubens oder 'Nicht-Glaubens' in irgendeiner Form beleidigt oder zurechtgewiesen werden.

      Ich habe noch eine Umfrage hinzugefügt, wo ihr auch mehrere Antworten geben könnt. Ist vielleicht ganz spannend da mal die Statistik zu sehen :smile:
    • Die Antwort auf die Frage zu finden war so schwer, ich musste zwei Minuten intensiv darüber nachdenken.

      Ich glaube an die Naturwissenschaft, solange wie ich keine wissenschaftliche Arbeit schreiben muss, an den freien Willen, an einen Sinn im Leben und an Geld.

      Die Gründe hierfür sind:
      1. Ich glaube an Naturwissenschaft, weil sie bisher die überzeugendsten Argumente dafür gebracht hat, wie bestimmte Dinge funktionieren. Mathe macht mich immer noch fertig, dass das alles so funktioniert, und spätestens bei imaginären Zahlen hab ich mir irgendwann gedacht: "So sehr kann keiner einen an der Klatsche haben, da muss was dran sein". Insgesamt find ich den Ansatz der Falsifizierbarkeit in der Naturwissenschaft ziemlich gut, der alles so lange als "unter den Umständen betrachtet" wahr ansieht, bis einer es widerlegt oder eine bessere Idee hat. Das lässt nämlich Fortschritt zu und Fortschritt mag ich.
      2. An den freien Willen glaube ich aus Verzweiflung, weil ich der Determinismus dafür sorgt, dass ich mich am liebsten von einer Klippe stürzen würde. Self-care und so. Man muss sich das Leben ja nicht unnötig versauen.
      3. An einen Sinn im Leben glaube ich aus ähnlichen Gründen, unter anderem weil den Gedanken eigentlich ganz nett finde, dass wir alle eine Rolle in der Geschichte der Welt zu spielen haben. Wenn man die Gesellschaft anschaut, dann stimmt das vielleicht sogar, immerhin sind wir ja alle kleine Rädchen im System der Gesellschaft und jeder ist irgendwo dafür verantwortlich anderen das Leben zu erleichtern. Ein Sinn im Leben ist vielleicht weniger hochgestochen als das, was man zuerst denken würde. Mein Lebenssinn besteht ganz offensichtlich darin, das RPG mit Charakteren zu überfluten.
      4. Geld musste ich der Vollständigkeit halber angeben, weil das Konzept der Währung leider in der Gesellschaft etabliert wird und ich gezwungenermaßen auch daran glauben muss, sonst müsste ich mit dem Typ im Lidl an der Kasse diskutieren, warum der Papierfetzen mit der 10 drauf mein Abendessen bezahlt. Eigentlich will ich nicht an Geld glauben, weil mir das Konzept hinter dem Finanzwesen irgendwie schon ziemlich dubios vorkommt. Ich persönlich messe Geld auch keinen überzogenen Wert bei. Allerdings glaubt so ziemlich jeder andere an den Wert des Geldes und deshalb muss ich da wohl mitziehen.


      Und um vielleicht nochmal auf das Thema Religion im Bezug auf Glauben zu sprechen zu kommen (weil ich glaube ich etwas am Ziel vorbei geschossen habe): Ich würde mich irgendwo zwischen Agnostiker und Atheist einordnen. Gott ist so eine Sache, er lässt sich nicht direkt widerlegen und irgendwo ist es auch Definitionssache, was überhaupt ein Gott ist. Nach meinen Maßstäben würde ich sagen, dass ich Gott vielleicht nicht komplett ablehnen würde, aber eher davon ausgehen würde, dass unsere Vorstellung von Gott sicher komplett daneben ist und falls er/sie/es tatsächlich existiert, er/sie/es sich sowieso als etwas komplett anderes entpuppen würde, als wir es erwarten würde, und sich dem menschlichen Verständnis sowieso komplett entziehen würde. Anders ausgedrückt glaube ich, dass Cthulhu sehr viel näher an der Wahrheit dran ist, als der Gott aus der Bibel.


      /Acc: E Z D V F S Si A N Ze NPC1 NPC2/
    • »Es gibt nur einen Gott: Bela, Farin Ro... okay lassen wir das.

      Erst mal: Ich glaube an Nichts. Oder zumindest nicht an folgende Dinge: Götter, Halbgötter, Dreiviertelgötter, Propheten, heilige Schriften, Wiedergeburt, Seelen, Karma, Zyklen, das Böse, das Gute, einem Sinn im Leben, Karma, Determinismus, Freier Wille, Himmel, Hölle, Jenseits, Anderswelt, Schicksal, eigentlich der ganze Kram, der da oben gelistet wurde, und noch mehr.

      Keine Religion spricht mich wirklich an. Als ich jünger war, habe ich meiner Familie (und dem Geld) zuliebe den ganzen Kokolores mit Kommunion und Firmung mitgemacht, nicht viel später habe ich dann festgestellt, dass ich mich trotzdem nicht damit identifizieren kann. Auch andere Religionen habe ich mir angeschaut, und auch die haben mich nicht angesprochen.
      Dass Religionen aber enstehen und dass Leute Frieden in der Vorstellung finden, kann ich verstehen und respektiere ich. Am besten ist es natürlich, man bringt mir dasselbe Verständnis und denselben Respekt entgegen. Merke ich, dass das nicht so ist, distanziere ich mich schnell, weil ich schlicht keine Lust auf missionarische Geister und Intoleranz habe. Aber das ist nochmal ein anderer Aspekt dieses Themas.
      Ich habe nur gemerkt: Ich brauche es nicht. Weder Religion, noch sonst was Höheres.

      Tief im Inneren bin ich wohl am ehesten ein Nihilist, wenn auch ein eher positiv veranlagter.
      Für mich klingt es am sinnvollsten, dass am Ende des Lebens alles dunkel wird, dass nichts für etwas Größeres je Bedeutung hatte, dass nichts danach kommt, und dass es auch am Ende keine Rolle gespielt hat, wie man sein Leben gelebt hat. Gibt halt Leute, die waren ihr Leben lang nur scheiße und gibt auch welche, die haben sich für andere aufgeopfert und sind trotzdem elendig krepiert. Karma und Determinismus für mich daher auch eher wenig haltbarere Begriffe, denn auch wenn ich mir denke, dass gewisse Aktionen gewisse Reaktionen begünstigen oder man in der Hinsicht abstrakt werden kann, so gibt es doch kein finales, verlässliches Muster. Manchmal hat man einfach Pech und manchmal Glück, und selbst das sind schon wieder Begriffe, bei denen sich mir eigentlich die Stirn kräuselt. Jedenfalls gehe ich erstmal im Grundansatz vollkommen mit der Verneinung folgender Dinge konform:
      • ein Sinn des Lebens
      • ein Sinn der Weltgeschichte
      • Existenz übernatürlicher Wesen
      • erkennbare Tatsachen
      • moralische Verbindlichkeit, Werte, etc
      Zitiert aus Wikipedia. (Klick mich, dann muss ich dir keinen Nihilismus erklären)

      So. Jetzt verneinen wir das also alles, und was dann? Toll. Nothing makes sense. Ist ja auch kacke und irgendwie deprimierend. Zumindest wenn man sich da rein steigert. Schließlich ist der Mensch ja so ein Wesen, das leider dazu neigt, derlei Geistesakrobatik zu betreiben, ob er es nun immer will, oder auch nicht.
      Ich persönlich finde es allerdings, dass auch ein nihilistischer Ansatz kein negativer sein muss. Im Gegenteil. Es stört mich nicht, dass nichts einen größeren Sinn oder Bedeutung hat.
      Was ich aber machen kann, ist für mich selbst dennoch zu entscheiden, was mir wichtig ist,und was für mich Bedeutung hat, wodurch es natürlich wieder subjektiv wird (aber das schließt sich ja nicht aus), aber auch positiver.
      Denn nur weil ich im Herzen eher an das Nichts und die Bedeutungslosigkeit glaube, heißt das ja nichts, dass es nichts gibt, was mir als Mensch etwas bedeutet. Ich als Mensch habe zum Beispiel durchaus starke Prinzipien, nach denen ich lebe, ich habe Wertvorstellungen und Moralvorstellungen, halte mich an Routinen, Gesetze, bewege mich innerhalb einer Gesellschaft, eines Systems, etc. Aber ich grenze all das schlicht von jeglicher Spiritualität, Metaphysik oder etwas von höherer Bedeutung ab, und das ist mir vollkommen recht so. (Wobei ich auf kulturhistorischer Ebene keinesfalls absprechen möchte, dass viele Errungenschaften und Konzepte auf der Arbeit von Religionen und Philisophien basieren!)

      Dinge an die große Glocke zu hängen, ist für mich letztlich Zeitverschwendung, aber es gibt dennoch Dinge, die für mich eine gewisse inherente Mystik besitzen, die ich jedoch genießen und erfahren kann, ohne dass ich ihnen Namen oder Bedeutung geben muss. Für mich zum Beispiel gibt es Dinge auf der Welt, die sie mit einem gewissen "Zauber" erfüllen, ohne dass ich dies in irgendein höheres Konzept pressen muss, oder fiebrig nach Definitionen suche.

      Darunter fallen für mich zum Beispiel Dinge wie:

      - Wie Musik Menschen dazu bewegt, sich zu bewegen, sie rührt, etwas in ihnen auslöst, nur durch Klänge und immer wieder anders.
      - Wie Worte dasselbe tun können
      - Deja-Vus
      - Wenn man an jemanden denkt, und dann plötzlich das Telefon klingelt oder man genau von dieser Person eine Nachricht bekommt
      - Dinge mit anderen teilen (klingt doof, aber egal).
      - Liebe

      Ja. ... Klingt eigenltich romantisch und n bissl kitschig. Aber egal. Vielleicht bin ich so etwas wie ein romantischer Nihilist.
    • Eine wirklich schöne Frage, die du uns da gestellt hast, Ero. :3 Ich musste tatsächlich überlegen, woran ich überhaupt "glaube", wenn man von "Glauben" spricht, und als ich so die Liste durchgegangen bin, konnte ich mich mit keinem davon wirklich identifizieren. Letztlich habe ich abgestimmt für Naturwissenschaften und "Nichts". Klingt vielleicht etwas widersprüchlich, but lemme explain.

      Erstmal ein bisschen zu mir. Ich glaube, es überrascht hier niemanden mehr, dass mein Herz für die Naturwissenschaften schlägt. Ich war schon immer fasziniert von den Naturvorgängen und wollte "erkennen, was die Welt im Innersten zusammen hält." Gleichzeitig stamme ich aus einer Familie, welche nicht im geringsten gläubig ist. Zumindest von meiner näheren Familie weiß ich, dass es alles überzeugte Atheisten sind und selbst bin ich ebenso Atheist. Als ich Kind war, bin ich deswegen nie wirklich mit der Frage "Gibt es (einen) Gott?" in Berührung gekommen. Zumindest bis ich in die Schule kam und angefangen habe Religionsunterricht mit zu machen, anfangs weil es nichts Anderes gab, später weil ich es wollte. Denn er hat mich zum Nachdenken angeregt. Ich wollte nicht nur Atheist sein, weil ich halt aus 'ner Atheistenfamilie komme und einfach vorgelebt bekommen habe, sondern ich wollte mir mein eigenes Bild machen.

      Soviel zum Prolog, und jetzt zu der Frage - an was glaube ich? Das kann ich so gar nicht wirklich beantworten, denn ich finde es schon schwierig zu sagen, was "Glauben" für mich eigentlich bedeuetet. So, wie ich es verstehe, bedeutet, an etwas zu glauben, meine Hoffnung, mein Vertrauen und meine persönliche Hingabe in etwas zu stecken. Für mich sind "Ich glaube an Gott" und "Ich glaube, dass es einen Gott gibt" zwei ganz unterschiedliche Aussagen. Denn während das erste aussagt, dass diese Figur eines Gottes in meiner ganz persönlichen Lebenswelt eine Rolle spielt, ist das zweite einfach nur eine Aussage darüber, ob man der Meinung oder Überzeugung ist, dass es so etwas wie ein göttliches Wesen gibt.
      Insofern muss ich sagen: Ich glaube an nichts, auch nicht an Naturwissenschaften. Naturwissenschaften sind für mich kein Heilsbringer, keine glorifizierbare Götzenfigur, haben nichts Übernatürliches und nichts, was mein Leben in irgend einer tief existenziellen Ebene bereichert oder meiner Existenz einen Sinn verleiht. Naturwissenschaften sind etwas ganz Nüchternes, etwas, was die Menschen als Instrument erdacht haben, um die Welt um sie herum verstehen und beeinflussen zu können. Wenn überhaupt glaube ich daran, dass Naturwissenschaften ein wirklich wundervolles Mittel sind, um dies zu tun - mehr noch, ich bin überzeugt davon!
      Und das ist eigentlich alles, was ich brauche - ein Instrument und einen klaren Geist, der dieses Instrument zu gebrauchen weiß. Tatsächlich hab ich in all den Jahren, in denen ich versucht habe zu erklären, warum ich nicht an Gott glauben kann, soll oder will - oder ich vllt doch einen Gott glauben sollte - festgestellt, dass ich einfach keinen Gott brauche. Ich glaube an nichts Übernatürliches, weil ich nichts Übernatürliches brauche. Ich bin fasziniert von meiner Umwelt, so wie sie ist, und ich bin fasziniert davon, wie ich sie mit den Naturwissenschaften erklären und erkennen kann. Es muss für mich kein Karma oder Wunder geben, die erklären, warum XY passiert ist und es muss für mich auch keinen Gott geben, der das alles erschaffen hat. Es ist für mich bereits zauberhaft und wundervoll, so wie es ist.

      Wenn überhaupt könnte man sagen: Ich glaube an mich und meinen Geist.
      »Ein Gelehrter in einem Laboratorium ist nicht nur ein Techniker,
      er steht auch vor den Naturvorgängen wie ein Kind vor einer Märchenwelt.«


      ~ Marie Curie
    • Joa, bei uns im Rheinland ist das mit dem Glauben ja so 'ne Sache...
      Um mal Dieter Nuhr zu zitieren: "Et is, wie et is, et kütt, wie et kütt - und gebetet wird, wenn's eng wird"

      Somit kann ich mich auch absolut nicht zu den Gläubigen zählen (woran auch immer). Leider ist es bei einem derart komplexen Thema allerdings nie möglich, die Gründe dafür nur in ein bis zwei Sätzen abzuhandeln, daher könnte das hier ein längeres Unterfangen werden.

      Fangen wir mal so an: Ich glaube an nichts. Generell stehe ich Religion und ihren Anhängern eher skeptisch (wenn auch nicht zwingend feindselig) gegenüber. Ich habe kein Problem damit, wenn Leute an höhere Mächte glauben (Wer bin ich schließlich, anderer Leute Lebensentscheidungen in Frage zu stellen?), solange es mir nicht übermäßig unter die Nase gerieben wird bzw. ich mir nicht vorkomme, als befinde ich mich inmitten eines Missionierungsgespräches. Trotzdem bin ich kritisch. Und das hat nichts mit dem Glauben an sich zu tun, sondern mit den Institutionen, die dahinter stehen, für die ich fast ausnahmslos nicht mehr als Verachtung übrig habe.
      Ich könnte jetzt ausschweifen und lang und breit darüber lamentieren, warum das so ist, aber dann schweife ich viel zu weit vom eigentlichen Thema ab, dafür mag sich ein eigener Thread eher anbieten...

      Die Frage ist: Warum glaube ich nicht an höhere Mächte abseits von bestehenden Institutionen und Strukturen?
      Vielleicht bin ich dafür zu sehr Logiker. Mir erscheint die Überlegung, das Religion durch einen Blitzschlag, der eine Holzhütte platt gemacht hat, und die Folgeüberlegung, dass das ja irgendwer veranlasst haben musste, einfach deutlich plausibler, als die Existenz eines (all-)mächtigen Wesens, das mit einem Fingerschnippen die Welt erschaffen hat. Religion ist m.E. nach nur ein archaischer Erklärungsversuch für naturwissenschaftliche Phänomene, die man in grauer Vorzeit noch nicht verstehen konnte. Und da die Erklärung für solche Phänomene in den Gebieten der hohen Physik, Biologie oder Chemie liegen, zu denen selbst heute noch kaum jemand richtigen Zugang hat, hat Religion die Zeit überdauert - nicht zuletzt deswegen, weil es (noch) nicht möglich ist, zu widerlegen, dass etwas nicht existiert.

      Ich denke, viele Leute glauben, weil sie ihren Frieden darin finden, dass es etwas gibt, wie ein Leben nach dem Tod, oder einen Sinn des Lebens. Für viele mag es demnach eine furchtbare Vorstellung sein, dass wir nichts weiter sein könnten, als Zellhaufen, die sich irgendwann auflösen und nichts zurücklassen, der Sinn des Lebens nicht mehr als ein "Hab Spaß, solange es dauert". Für mich persönlich ist es eine Horrorvorstellung, irgendwo ein ewiges (Nach-)Leben fristen zu müssen, ob nun im Paradies, in der Hölle oder sonst wo. Ich glaube, dass viele Menschen, die sich ein ewiges Leben im Paradies erhoffen, keine Vorstellung davon haben, was das Wort 'Ewigkeit' eigentlich bedeutet. Auch dies ist für mich eher eine Hoffnung der Menschen aus einer Zeit gewesen, in der nur selten jemand die 40 Jahre erreicht hat und man sich wünschte, dass da noch mehr vom Leben ist.

      Das mag sich jetzt recht zynisch, deprimiert oder verbittert lesen, doch ich glaube nicht, das so etwas wie Glaube tatsächlich notwendig ist, um in unserer Welt Freude zu haben, richtig zu handeln oder sich den Tod schön zu reden. Ich bin sogar der Ansicht, dass diejenigen, die "richtig" handeln und ihren Mitmenschen helfen, ohne dies aus Angst vor einer Bestrafung nach dem Tod zu tun, rein moralisch die besseren Menschen sind (die Ironie hier ist allerdings, das in meiner Anschauung dieses "besser" völlig wertlos ist). Ich habe mir jetzt zwar nicht die Mühe gemacht, mir den Text zum Nihilismus durchzulesen, glaube Ôra aber mal, dass ich mich wohl auch als 'Nihilist im positiven Sinne' sehen würde.

      Zu guter Letzt, warum habe ich nicht für "freier Wille", "Logik", "Naturwissenschaften" oder "Geld" abgestimmt?
      Zwar bin ich der Ansicht, das alle diese Dinge existieren und einen sinnvollen Platz in unserer Welt einnehmen, doch "Glaube" ist für mich etwas Aktives, etwas, dem man größere Aufmerksamkeit schenkt und von dem man sich stets leiten lässt. Die oben genannten Dinge sind für mich halt "da", finden eher am Rande meiner Wahrnehmung statt (ja Geld auch, schnüff) und haben daher mit "Glauben" nichts zu tun.

      Ach, fast vergessen: Wäre die Welt ohne Religion ein besserer Ort?
      Sehr interessante Frage, und obwohl meiner Meinung nach durch Religion viel Chaos, Tod und Zerstörung angerichtet wurde, die dadurch vermieden worden wären, bin ich versucht, hier mit 'nein' zu antworten.
      Wenn man sich mal ansieht, wie denn zum Beispiel ansieht, wie Europa negativ durch Religion beeinflusst wurde: Ablassbriefhandel, Kreuzzüge, Hexenverbrennung, (30-jähriger) Krieg, islamistischer Terror, sexueller Missbrauch von Minderjährigen durch Geistliche, Unterdrückung von Frauen, Judenverfolgung unter den Nazis, etc.
      Man muss nur die Frage stellen: Sind diese (oder vergleichbare) Taten nur von Gläubigen begangen worden? Nein, sind sie nicht. Religion wurde zwar zuhauf als Instrument für alle möglichen Schandtaten missbraucht, aber ich bin mir sicher, hätte es sie nicht gegeben, hätte man eben andere Instrumente genutzt oder welche erfunden. Wenn man sich ansieht, wie viele Leute es gibt, die sich über Fußball die Birne einschlagen, wäre das sicher auch nicht sonderlich schwer gewesen...

      Alles in allem: Es ist völlig egal, woran man glaubt, solange man allen anderen ihre eigene Wahl lässt.
    • @Ôra
      Ein romantischer Nihilist? Das klingt toll. Das gefällt mir. xD

      Also ich glaube an:
      -Eine Seele
      -Einen Sinn im Leben
      -Den Freien Willen
      -Die Naturwissenschaften
      -Das Gute im Menschen
      -Karma und Reinkarnation (in gewissem Grad)

      Ich versuche mich an den chinesischen Lehren des Konfuzianismus und des Daoismus zu orientieren, wobei man sagen könnte, dass diese beiden Lehren eher Philosophien als Religionen sind, aber das ist in China teilweise sehr vermischt und nicht wirklich unterscheidbar.

      Ich habe einfach gemerkt, dass mir die monoteistischen Religionen nicht zusagen, da es oft auf ein "Tu dies und das und unser Gott/Erschaffer bestraft/belohnt dich, egal ob du das nun willst oder nicht." hinausläuft.
      Und das ergibt für mich einfach keinen Sinn. Wenn dieses höchste aller Wesen ganz genaue Vorstellungen von dem hat, wie ich mich zu verhalten, und zu sein habe, warum hat es mich dann mit einem freien Willen ausgestattet?

      (Ich bin etwas ausführlicher geworden. Wen meine Denkansätze und Verständnisweisen vom Konfuzianismus/Daoismus nicht interessieren, der kann den Spoiler ignorieren^^")

      Spoiler anzeigen
      Anders als in vielen Religionen gibt es im Konfuzianismus und Daoismus keine Götter oder höchste Wesen. (Es gibt natürlich auch hier Legenden und Mythen und sowas.)

      Im Konfuzianismus, den man auch "die Lehre des guten Beispiels" nennt geht es um Dinge wie Frieden, Respekt und Achtung. Vor sich selbst, aber auch und gerade vor anderen Menschen. Man soll stets vesucht sein, Frieden und Harmonie in sich selbst zu erhalten und dieses nach Außen zu tragen, denn damit macht man die Welt zu einem besseren Ort.

      Der Daoismus ist da etwas mystischer. Im Daoismus (Taoismus ist btw. nur eine andere Schreibweise) geht es um das Verständnis wie und warum Dinge geschehen und sich gegenseitig beeinflussen. Das bekannteste Symbol hierfür ist das von Yin und Yang.

      Ich hab hier mal eins ehr schönes Video verlinkt, dass es gut erklärt.

      Das helle Yang steht für Dinge wie "oben, hell, hart, warm, stark, schnell und männlich". Es ist die Aktive Seite. Das dunkle Yin steht für Dinge wie "unten, dunkel, weich, kalt, schwach, langsam und weiblich". Es ist die Passive Seite.

      Wichtig dabei zu wissen ist, dass diese beiden Seiten zwar gegensätzlich erscheinen mögen, aber absolut gleichwertig und wichtig sind. Die Krone eines Baums ist Yang und trägt Früchte. Doch ohne seine Wurzeln, die Yin sind, könnte er nicht existieren. Das fließende Wasser eines Flusses ist Yang. Aber das Flussbett, das Yin, gibt ihm den weg vor.

      Das einzige, was es im Daoismus gibt, dass mit einer Gottheit "vergleichbar" wäre, ist das Dao. Dem Verständnis nach ist das Universum aus dem Dao heraus enstanden. Es ist aber kein allmächtiges Wesen, kein endgültiger Entscheider. "Dao" bedeutet übersetzt einfach nur soviel wie "Weg". Es ist einfach nur die Art wie Dinge geschehen und sich gegenseitig beeinflussen.

      Über das Dao heisst es:
      „Könnten wir weisen den Weg,
      Es wäre kein ewiger Weg.
      Könnten wir nennen die Namen,
      Es wäre kein ewiger Name.“

      Es ist etwas ungreifbares, was wir niemals ganz verstehen werden. Wir können nur sein Wirken erfassen.

      Und genau wie in der Natur, wirkt das Dao auch im Menschen und seinem Handeln. Dinge wie Glück, Frieden und Freude werden einem nicht von einem höheren Lebewesen geschenkt. Sie kommen aus einem Selbst und aus dem eigenem Tun. Das Universum spiegelt mir letztendlich nur das wieder, was ich ihm aus meinem Inneren heraus ausstrahle.


      Obwohl das jetzt wie ein Widerspruch aussieht, "glaube" (besser gesagt, ich bin überzeugt von) ich auch an die Naturwissenschaften und ihren Theorien, da sie sich nicht mit meinen "spirituellen" Ansichten beißen, sondern sich tatsächlich wunderbar ergänzen. Wir Leben mit unserem physischen Körper in einer physischen Welt und die Naturwissenschaften sind ganz hervorragend darin, Abläufe in dieser Welt zu erkennen, zu erklären und daraus Schlüsse zu ziehen.
      Ich gehöre zu der Sorte Menschen, die die wichtigen Fragen des Lebens stellen!

      Fragen wie:

      "Was ist hinter dieser Tür?"
      "Steht das wirklich unter Strom?"
      "Pass ich da durch?"
      "Wofür ist dieser Knopf gut?"

      Und: "Brauch ich dafür wirklich einen Fallschirm?"
    • Mit Ôras Beitrag kann man ja so richtig schön konform gehen. x) Auch wenn ich mich bisher gar nicht wirklich als Nihilist gesehen habe, sondern bestenfalls als weniger strengen Atheisten mit agnostischer Neigung. An Gott, Göttin oder Gottheiten glaube ich nicht und verspüre auch nicht das Interesse, mich groß mit einem solchen Konzept zu befassen und weder noch habe ich das Gefühl, überhaupt eine höhere Macht für mich zu brauchen; aber wer wäre ich zu sagen, dass sie nicht trotzdem in irgendeiner Form existieren oder, wenn schon nicht für mich, vielleicht für andere?
      Mittlerweile meine ich allerdings, dass diese Haltung von mir nicht mehr als ein bloßes Toleranzdenken ist, denn egal wie sehr ich es versuche – ich kann einfach nicht ansatzweise an eine übernatürliche Präsenz glauben und weder noch an ein anderweitiges System, das unsere Seelen wertet oder die Güte oder Schlechte unserer Taten und uns daraufhin nach unserem Tode in eine entsprechende Kaste schiebt oder in den Himmel oder die Niederhöllen verweist.

      Aber ich frage mich auch – ähnlich wie Ajiel es bereits angeschrieben hat – wieso sollte man wollen, nach dem Tod eine Ewigkeit im Jenseits zu verbringen?
      Was die Hölle anbetrifft, ist es ja klar. Bad stuff happens down there. Aber selbst im Bezug zum Himmel und dem Versprechen eines ewigen Paradieses, von perfekter Harmonie. Wie soll so etwas ewig währen können und wie genau soll es aussehen? Wir als Menschen hegen ja alle ein verschieden großes Maß an unterschiedlichen Versionen von Korruption in uns, würden wir da bei unserer Zahl und unseren unvermeidbaren Differenzen ein solch reines und friedliches Konstrukt über früh oder spät nicht verderben? Oder "lebt" dann jede Existenz für sich in einer Blase, wohl behütet vom Einfluss anderer Verstorbener, gefangen in einer niemals vergehenden Illusion, die uns das Erreichen unserer individuellen und äußerst subjektiven und immerzu wandelnden Versionen von perfekter Harmonie bloß vorgaukelt? (Habe da das Konzept in der TV-Serie Supernatural sehr ansprechend gefunden)

      Und was Seelen und Reinkarnationen angeht – was ist da der Punkt? Man stirbt, wird wiedergeboren, aber ohne jedwede Erinnerungen an sein vergangenes Leben, trotzdem aber (je nach Glauben) in eine Lebenssituation geboren, die darauf basiert, wie gut oder schlecht man die vergangene Existenz gelebt hat?

      So viele Variationen es auch gibt, keine spricht mich an, geschweige denn mich zu überzeugen. Dennoch kann ich anerkennen, dass ein Glauben, wie er nun auch immer aussehen mag, andere Leute dazu inspirieren und motivieren kann, ihre Leben mit Güte im Herzen und Tugend zu führen, oder ihnen gar einfach bloß inneren Frieden schenkt. Ich beneide es sogar und wünschte mir zum kleinen Teil, selber auch an etwas Höheres glauben zu können.

      Stattdessen bin ich aber lediglich überzeugt von der Wissenschaft und von der knallharten, erbarmungslosen und mitunter auch recht trostlosen Logik menschlicher Existenz, die sie mit Fakten begründen kann; allerdings nicht von der Logik menschlichen Verstandes, denn auch wenn diese ergründet und erklärt werden möchte, in Zukunft vielleicht besser als in der Gegenwart, ist eine Person niemals zu 100% berechenbar und neigt dazu, aufgrund ihrer Gefühlswelt schier irrationale Dinge zu tun, die nicht immer vorteilhaft für sich selbst oder andere sind.
      Auch wenn ich (im Zuge eines kleinen Widerspruchs) meine, dass es viele Menschen gibt, denen man eine solche Berechenbarkeit nachsagen könnte.
      Hand in Hand: Ich glaube nicht an Geld als Quelle von Erfüllung oder Identität, aber ich glaube daran, dass Geld die Welt regiert und ein Synonym für Macht darstellt; daran, dass ein Mensch mit höherem Maß an innerer Korruption daran versucht ist, sich möglichst viel Geld/ Macht anzueignen und dabei skrupellos vorgehen mag. Wer etwas ambitionierter noch ist und tatsächlich an eine machtvolle Position gelangt, ob nun in Politik oder Wirtschaft, hat das Potential, uns am Ende alle zu beeinflussen.

      Schön wäre es hier zu sagen, würde Karma dafür sorgen, dass Menschen eine solche Position nicht für lange ausnutzen könnten. Aber auch das empfinde ich als ein eher fragwürdiges Konzept. Davon ausgehend, dass es keine Wiedergeburt gibt und Karma daher zu Lebzeiten eines Menschen geschehen muss, quasi Gerechtigkeit widerspiegelt, sodass man tatsächlich sagen kann, dass man am Ende bekommt, was man verdient... nicht immer trifft es zu und es ist für mich zu unzuverlässig, um tatsächlich daran zu glauben.
      Klar, ein offensichtlich schlechter Mensch wird von seiner Umwelt ebenso negativ behandelt. Offensichtlich gute Menschen werden anerkannt. Aber auch scheinbar gute Menschen mit schlechten Kernen werden anerkannt, selbst wenn sie in versteckten Sphären Missetaten begehen, und scheinbar schlechte Menschen mit guten Kernen können Wahrheit verfälschender Verleumdung zu Opfer fallen. Und die Vermutung liegt nahe, dass sich nicht jeder Fall auflöst. Manche vielleicht niemals und viele sicher nicht zu Lebzeiten, sodass eine Bestrafung oder Wiedergutmachung in den meisten Formen nicht mehr möglich ist.
      Muss man sich ja nur Amokläufer anschauen, von denen manche bloß durch ihre feigen und widerwärtigen Taten an die Publikation ihrer Namen und dadurch an eine Form der Unsterblichkeit gelangen wollen und das auch noch schaffen. Und einer Bestrafung entziehen sie sich, indem sie sich selbst ausschalten, bevor man sie fasst. Wo ist da die Gerechtigkeit? Zu Lebzeiten wird sie sicher nicht vollzogen.

      Stattdessen meine ich, dass ein Mensch alles in allem bloß so handelt, wie er handeln möchte und dass er im Idealfall darauf bedacht ist, keinen Schaden anzurichten, sondern sich an Sitten und Gesetze hält. Dazu muss man auch keinen tieferen Lebenssinn haben (ich scheitere daran zu sehen, dass es so etwas überhaupt gibt; jeder ist für sich einzigartig, aber jede Position, die ein Mensch bezieht, lässt sich in der Theorie auch von anderen Menschen besetzen).
      Was danach geschieht, wenn er sein Ende findet: Gar nichts. Ewige Schwärze, befreit von jeglichen Sinneswahrnehmungen und Emotionen. Was ich wiederum nicht als Schande wahrnehme, sondern es gewissermaßen tatsächlich als eine Art ewigen Friedens sehe, die sich durch rein gar nichts korrumpieren lässt. Und das ist irgendwo schon eine Art Trost.
    • Christin aus Überzeugung. :) Freu mich auch, dass ein paar andere sich getraut haben, mit abzustimmen.

      Wobei mich die Umfragenoptionen ein wenig irritiert haben. Manche der Dinge würde ich weniger mit 'Glaube' verbinden, eher mit Lebensphilosophie oder Lebensführung. Andererseits ist es auch ganz spannend zu sehen, das du das auch hier in die Umfrage gepackt hast. :D
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      Rein religiös? An gar nichts, seit knapp über 15 Jahren Atheist. Ich sehe für mich keinen Sinn, an etwas zu glauben, was nicht existieren könnte.
      Allgemein empfinde ich die ganze Glaubenssache als ein dummes und veraltetes Relikt der Vergangenheit, dass bis heute noch für viele Wert hat. Immerhin wird sich heute immer noch gekloppt, wer "den besseren unsichtbaren Freund" hat und welche Lebensweise die einzig richtige ist. Dabei ist das ganze recht überschaubar, wenn man sich mit mehreren Religionen beschäftigt, fallen einem schnell Parallelen auf, die gut zeigen, dass viele Regionen voneinander abstammen oder aufeinander aufbauen.
      Gleiches gilt für diverse Götterarten (Nordisch, Ägyptisch oder auch Griechisch z.B.), viele überlappen sich zufälligerweise, sowas wird nicht von irgendwo herkommen (betrifft übrigens auch diverse Fabelwesen, sehr faszinierend).

      Um zum Punkt zu kommen, würde es einen Gott geben, wäre es wahrscheinlich für alle ein anderer, im Endeffekt aber dennoch ein und der selbe.
      Ich glaube an nichts, respektiere aber jeden, der darin einen Sinn oder eine Bereicherung für sein Leben sieht und das dann auch auslebt. Ganz nach dem Motto "Leben und leben lassen".