Digimonstory: Cybersleuth + Hacker's Memory

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    • Digimonstory: Cybersleuth + Hacker's Memory

      Wer hätte je gedacht, dass ich mal auf den Digimon-Zug aufspringen würde... Sicher, da waren die Serien meiner Kindheit und aus lauter Nostalgie hab ich mir auch Digimon TRI, den direkten Nachfolger angeschaut, aber darüber hinaus hatte ich mit der Marke nie viel zu tun. Hat mich nie interessiert und war mir auch zu "anime-ig". Man könnte natürlich argumentieren, dass Pokémon und Zelda und Final Fantasy auch "anime-ig" sind, aber wer mich kennt weiß, dass ich da Unterschiede ziehe. Außerdem habe ich mir dieses Wort ausgedacht und darf mir daher aussuchen, wofür ich es benutze. Hah!

      Als ich dann jedoch im März letzten Jahres über meinen Schatten sprang und mir Cybersleuth kaufte, hat sich mir ein Spiel eröffnet, das ohne Zweifel zu den besten gehört, die ich je spielen durfte. Und warum, das erzähl ich euch gern.


      Die Story:

      Digimonstory: Cybersleuth hat auf den ersten Blick eine recht einfach gestrickte Story:
      In einer parallelen Welt existiert ein Cyberspace namens "EDEN", das neue Internet. Menschen können als Avatare in dieser Welt herumlaufen und diese virtuelle Welt entdecken. Websites, Foren, Server, sind alles Locations, die man als Person aufsuchen kann. Allerdings wird EDEN geplagt, und zwar von Hackern und Betrügern und als normaler User kann man sich mit solchem Volk natürlich nicht sehen lassen!
      Bei einem Besuch in den unteren Bereichen von EDEN wird die Hauptfigur von einer unbekannten Lebensform angegriffen: Einem Eater (oder wie es in der nachgepatchten deutschen Version heißt: Einem Verschlinger). Man schafft zwar den Logout, doch findet man sich auf einmal außerhalb seines Körpers wieder, der seitdem tief schläft. Nur als digitale Masse herumlaufend, entwickelt die Hauptfigur Eigenschaften eines halb digitalen, halb realen Wesens und kann beispielsweise durch Bildschirme in das digitale Netzwerk eindringen.
      Gefunden wird die Figur von der exzentrischen Detektivin und Kaffee-Liebhaberin Kyoko Kuremi, die sich auf Übernatürliches und Cyber-Phänomene spezialisiert hat. Diese interessiert sich sehr für den Fall und so startet das Abenteuer als Kuremis Hilfsdetektiv.

      Man geht diversen Handlungssträngen nach: Wer oder was sind die Eater? Wieso bekriegen sich die zahlreichen Hackerbanden? Was hat der Konzern, der EDEN entwickelt hat, damit zu tun?
      Leider kommt die Story nur langsam in Schwung... So wird man sich in den ersten Kapiteln mit einfachen Missionen abgeben, von Sidequest zu Sidequest hangeln und Ganoven und feindlich gesinnte Hacker konfrontieren. Eben, was ein "Cybersleuth", also ein Cyber-Schnüffler, so machen sollte. Man kommt hier kaum auf die Idee, eine großartige Story vor sich zu haben.
      Genau dies ändert sich aber ab der zweiten Storyhälfte radikal. Die Story entwickelt sich in so viele unterschiedliche Richtungen und nimmt an Dramatik, Aktion und rotem Faden stark zu. Ich will hier natürlich nicht zu viel verraten, aber das war sicherlich die ergreifendste Story, die ich in einem Spiel miterlebt habe (mal abgesehen von Xenoblade...). Sicher, ich habe Meisterwerke wie Last of Us nicht gespielt, aber ich zocke ja auch Games, und keine Filme ;)

      Jeder der vorgestellten Haupt- und Nebencharaktere hat seinen Teil zur Story beizutragen. Wie auch die Geschichte selbst hat man hier am Anfang einen Haufen generischer Anime-Kids vor sich, die einem alle mehr oder weniger auf die Nerven gehen. Erst mit Voranschreiten des Ganzen lernt man sie besser kennen, weiß, wie wichtig sie sind und fiebert mit. Für sie ist es keine einfache Reise und wartet durchaus mit einigen Schicksalsschlägen auf.

      Was die Nebenquests betrifft, so hat jede davon ihren eigenen kleinen Handlungsstrang. Die meisten sind recht schnell abgefrühstückt, eine Frage von Minuten, die durch die überlangen Dialoge so gestreckt werden, dass man den japanischen Sprecher wahrscheinlich kaum aussprechen lassen wird.
      Einige wenige rühmliche Ausnahmen stechen schon heraus, wie beispielsweise eine Quest, die bei mir Grusel und Entsetzen auslöste und in der es darum ging, dass ein UNternehmen Nutzer nach EDEN lockt, um ihre Körper vom Netz abzutrennen und als lebendige Puppen ins Ausland zu verkaufen. Mit solchen Gruselmomenten wartet das Spiel hin und wieder auf. Uninteressant sind meiner Meinung nach nur einige der vielen Neben-Fälle.


      Die Monster...

      Joah... jetzt heißt dieses Spiel ja "Digimon", aber über die kleinen digitalen Monster habe ich bislang noch kein Wort verloren...
      Nun, das liegt daran, dass die Digimon zumindest am Anfang des Spiels eine eher untergeordnete Rolle spielen. Ihr Anteil wird - wieder ab der Hälfte - zwar ungleich größer, doch vorgestellt werden sie als neuartige "Hacker-Tools", in Gestalt von Monstern. Die Allgemeinheit spricht ihnen ein eigenes Bewusstsein ab. Diese Programme leben und amüsieren sich in EDEN und werden von Hackern gefangen und zum Kämpfen genutzt. Man weiß jedoch, dass die Digimon die Emotionen von Usern in EDEN beeinflussen und sogar verändern können. In der Tat steckt hinter manchem Cyber-Gangster ein durchtriebenes Monster, das Einfluss auf ihn nimmt. Die wahre Bedrohung bleiben jedoch stets die undurchschaubaren Eater, die Digimons und Accounts fressen - und wenn das geschieht, wacht der entsprechende User nie mehr auf. Also ja, primär sind die kleinen Taschenmonster Kampfutensilien.


      Apropos Kampf...

      Wer schon einmal Final Fantasy X gespielt hat, wird sich hier wohl fühlen. Man steuert - anders als in Pokémon - immer bis zu drei Monster im Kampf, der rundenbasiert abläuft. Rechts sieht man eine Zeitleiste, wo man sieht, wer als nächstes dran ist. Man hat die Auswahl zwischen "Angriff" und "Block", den beiden Basisbefehlen, "Items", also Gegenständen, "Flucht" und besonderen Fertigkeiten, von denen einige zur speziellen Art des Digimon gehören, von denen aber auch einige von früheren Stufen vererbt werden können.
      Typenaffinitäten wie in Pokémon gibt es auch! Die drei Typen "Serum", "Virus" und "Datei" (und ein vierter "freier" Typ) wirken sich unterschiedlich aufeinander aus, ebenso wie elementare Eigenschaften. "Feuer" ist stärker als "Natur", "Natur" stärker als "Wasser" und "Wasser" stärker als "Feuer". Dasselbe gilt für "Wind", "Erde" und "Blitz" sowie "Licht" und "Dunkelheit". Die Affinitäten zwischen den Typen und den elementaren Eigenschaften sind das A und O bei Kämpfen. Ein Serum-Feuer-Digimon wird ein Virus-Pflanze-Digimon ohne Probleme schlagen, doch bei einem Virus-Wasser-Digimon wären die Chancen schon ausgeglichener. Und so weiter.

      Digimon gibt es übrigens wie Sand am Meer. Wenn einem die Monster im Kampf begegnen, scannt man diese automatisch bis zu einer gewissen Prozentzahl. Hat man genug Prozente erscannt, um die Hundert zu erreichen, kann man sich dieses Digimon im Labor erschaffen, damit es fortan das Team verstärkt. Bis zu 11 Monsterlein kann man mit sich führen, der Rest liegt auf der Bank. So liegt es an euch, eine ausreichende Menge an Serum, Virus und Datei-Digimon mit euch zu führen, um für jede Mission gewappnet zu sein.


      Das Level-System:

      Wie in Pokémon könnt ihr eure kleinen Begleiter natürlich auch leveln und, wenn die Bedingungen erfüllt sind, entwickeln. Dies funktioniert jedoch ein weeeenig anders.
      Die Level eines Digimon reichen von "Baby" über "Ausbildung", "Rookie", "Champion", "Ultra" und "Mega" bis hin zum seltenen und besonders mächtigen "Ultimativ". Um im Level aufzusteigen, muss ein Digimon natürlich erstmal die ausreichende Stufe erreicht haben. Und hier tritt auch gleich die erste Besonderheit ein: Ein Digimon kann sich in mehrere Arten Digimon weiterentwickeln. Trainiert ihr ein Agumon, habt ihr die Wahl zwischen Greymon, Tyrannomon, Growlmon, Geogreymon usw. Umgekehrt kann man ein Digimon auch in mehrere Digimon "zurückentwickeln". Und das hat einen Sinn und Zweck, denn:
      Ist euer Digimon ein "Rookie" könnt ihr es vielleicht 15 Level aufsteigen lassen, bevor ihr es digitieren müsst. Entwickelt ihr aber ein Monster von Champion oder höher zurück, kann es als Rookie auch mehr Level erreichen, bis hin zu 99. Das könnt ihr hin und her machen, und dadurch unter anderem den "FÄHIGKEIT"-Wert eures Monsters steigern, der es wieder ermöglicht, die Werte noch weiter zu erhöhen und besondere Weiterentwicklungen möglich macht.
      Das klingt alles kompliziert, aber wenn ihr eure Mega-Digimon zum dritten Mal zurückentwickelt, um sie bei der nächsten Weiterentwicklung noch mächtiger zu machen, geht es euch bald in Fleisch und Blut über.
      Übrigens landet das Digimon bei jeder Weiterentwicklung wieder auf Stufe 1. Das ärgert zuerst, aber ihr werdet schnell merken, dass höhere Digimon weitaus mehr Wachstum aus ihren Stufen rausholen, als Babys oder Rookies.
      Die Möglichkeiten hier sind wirklich unbegrenzt und es kommt im Grunde nur darauf an, wer eure Lieblinge sind.


      Der Nachfolger:

      Mit "Hacker's Memory" ist letzte Woche ein Nachfolger erschienen, der als "Backstory" dienen soll. Korrekter wäre hier das Wort "Sidestory", denn mehr ist dieses Spiel nicht und will es auch nicht sein.
      Man lernt eine neue Gruppe Protagonisten kennen, die während der Ereignisse des ersten Spiels agiert und teilweise auch auf die bekannten Figuren trifft und in Ereignisse eingreift, die im ersten Teil geschehen sind.

      Dieses neue "Team" ist die Hackerbande "Hudie", eine Gruppe von Handymen, die gegen Geld Hacking-Aufträge in EDEN ausführen. Im Verlauf der Geschichte trifft man zwar auf die Probleme aus dem ersten Teil, muss sich jedoch mit einer ganz anderen Front auseinandersetzen. Denn die unheilvollen Eater haben noch weit mehr in den Tiefen des Netzes aufgeweckt, als im ersten Teil geahnt.
      Man merkt es vielleicht nicht sofort, aber im Gegensatz zum ersten Teil ist dies hier keine Heldengeschichte. Man wünscht es den Charakteren, dass sie einen genauso großen Beitrag leisten dürfen - und im Endeffekt tun sie das auf eine bestimmte Weise - doch hat man es hier mit einer Tragödie zu tun, bei der das kleine Team im Mittelpunkt steht. In diesem Spiel tut man alles dafür, zu verhindern, dass Leben vernichtet werden. Auch hier nimmt das Game nur langsam Fahrt auf und trumpft dafür mit sehr viel Emotion auf. Ich habe tatsächlich ein, zwei Tränchen vergossen. Eben wie im ersten Teil.

      Leider muss man sagen, dass mich Hacker's Memory ein wenig enttäuscht hat. Sicher, es gibt mehr Digimon. Und ein paar kleine Goodies wie neue Kampfarten mit dem neuen Territorialkampf, der mich aber eher nicht interessiert... Ansonsten ist das Game zumindest vom System, dem Look, den Locations, größtenteils dasselbe. Hat mich als Fan natürlich nicht davon abgehalten, es zu kaufen.

      Man sollte jedoch unbedingt beachten, dass Hacker's Memory sich unglaublich stark auf den ersten Teil bezieht, da ja beide parallel laufen. Ich rate euch dringend davon ab, den zweiten vor dem ersten Teil zu spielen, denn ohne Vorwissen macht so ziemlich die Hälfte von allem überhaupt keinen Sinn. Das ist auch der größte Kritikpunkt, den ich habe. Ich hatte das Glück, den ersten Teil zu kennen - viele andere sicher nicht. Und die verstehen das meiste der Story vermutlich so überhaupt nicht. Das ist ein Problem, das ich nicht so von Games kenne. Bei Filmen, ja. Büchern, okay, aber bei Games? Weiß nicht, was ich davon halten soll. Aber mich jedenfalls hat es unterhalten und storymäßig fast genauso gefesselt wie der erste Teil.


      Mein Fazit:


      Während Pokémon meiner Meinung nach immer schlechter wird, zeigt Digimon mit Cybersleuth und Hacker's Memory, was es kann. Sicher, es gibt einige Mankos. Während HM von vornherein mit deutschen Untertiteln übersetzt wurde und daher größtenteils makellos ist, wurden deutsche Untertitel im ersten Teil nachgepatcht und sind daher verdammt fehlerhaft (ich hatte es noch auf englisch gespielt, da der deutsche Patch fast ein Jahr nach Erscheinungsdatum nachgerückt ist.). Aber wen ein paar Fehlerchen im Bereich der Rechtschreibung nicht stören, sollte damit klar kommen.

      Die Welt ist bunt, typisch japanisch und sehr "typisch" für das Genre, finde ich, aber ein Spiel für Kinder ist es meiner Meinung nach nicht, weil die Geschichte und das Kampfsystem komplex und sehr cool sind. Wenn man ihnen eine Chance gibt. Das ist leider das Problem, man erkennt das Potenzial des Spiels - beider Spiele - nicht beim ersten Hinsehen. Man muss sich erst eine Weile damit beschäftigen. Das allerdings habe ich getan und wurde nicht enttäuscht. Bei den Besuchen der zahlreichen Real-World-Locations oder der erwähnung einer weiteren japanischen Großstadtlegende habe ich nicht selten erstmal Google angeschmissen und fühlte mich danach gleich etwas "wissender" und vertrauter mit der Spielwelt.


      Ich wünsche wirklich allen, die eine PS4 oder eine Vita besitzen, dass ihr auch mal in den Genuss dieser großartigen Spiele kommen könnt. :) Ich würd mich freuen, wenn es weitere Fans gibt, die sich hier melden. Ein wenig Austausch wär nicht übel für mich. xD